Indien

Notvolle Versorgungslage

1.7.2021
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5
Min.

In den NEWS von Anfang März dieses Jahres haben wir berichtet, dass sich die Corona-Situation in Indien etwas entschärft hatte und die Fallzahlen rückläufig waren. Doch kurz darauf kam es zu einer katastrophalen Verschlechterung – die aktuelle Situation und die Zustände sind erschütternd.

Ende Mai betrug die Zahl der infizierten Personen 28’175’044 (fast verdreifacht seit den letzten NEWS), und 331’895 Personen sind gestorben (offizielle Zahl bei einer Dunkelziffer bis zu einer Million). Es sind erst 4 % der Bevölkerung vollständig geimpft.

Hindufeierlichkeiten am Ganges - Superspreader Events
(Quelle: Faz.net)

Notvolle Versorgungslage

Es fehlt an allem. Indien hat viel Impfstoff exportiert – jetzt ist nicht genug da zur Impfung der eigenen Bevölkerung. Die Spitäler sind hoffnungslos überlastet und müssen Patienten abweisen. Vielerorts fehlt es an Sauerstoff und an Beatmungsgeräten. Sogar das Holz für die Kremationen (allgemeine Praxis in Indien) wird knapp. SAM global konnte sich mit COI und drei weiteren lokalen Partnern mit praktischer, schneller Covid-Nothilfe engagieren (siehe unten).

Viele Patienten können kaum oder gar nicht mehr versorgt werden (Quelle: swr.de)

Ein Unglück kommt selten allein

Lockdowns als Massnahme gegen die Ausbreitung von Covid-19 sind regional unterschiedlich und ändern sich auch je nach Lage. Aber die Folgen, vor allem für die ärmere Bevölkerung, sind verheerend. Da viele als Tagelöhner arbeiten, bedeutet jeder Tag ohne Arbeit auch kein Einkommen und damit kein Essen. Viele Menschen leiden an Hunger und kämpfen ums Überleben. Aber sogar die reicheren Leute stellen fest, dass auch bei ausreichenden finanziellen Mitteln die medizinische Versorgung oft mangelhaft bleibt. Und im Gefolge von Corona breitet sich auch eine gefährliche Pilzinfektion (der eigentlich seltene «Schwarze Pilz») aus, an dem viele sterben. Der Tourismus kam zum Erliegen. Schon seit letztem Herbst sind Reisen nach Indien sehr stark eingeschränkt und für Touristen ganz verboten. Und als ob das nicht genug wäre, erreichte kürzlich ein Zyklon, der stärkste Wirbelsturm seit 30 Jahren, die Westküste Indiens. Hunderttausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Herausforderungen (und Chancen) für unsere Partner

Aufgrund des Lockdowns sind auch unsere Partnerorganisationen in ihrer Bewegungsfreiheit und ihren Einsatzmöglichkeiten äusserst eingeschränkt. In vielen Gemeinden sind Zusammenkünfte nicht möglich. Sie versuchen, biblische Botschaften per Internet weiterzugeben, aber die Möglichkeiten sind beschränkter als bei uns. Auch ist die Internetverbindung besonders in den Bergen nicht überall gut. Fehlende Veranstaltungen haben auch fehlende Kollekten zur Folge, und so mangelt es an Unterstützung für die Gemeindearbeit und das betrifft die Mitarbeitenden unmittelbar.

Mit einer neu eingegangenen Partnerschaft für die Dauer der Covid-19-Krise unterstützt SAM global den Ausbau von «E-Kliniken». In umfunktionierten Räumen werden Erkrankte durch einen Laptop mit einem Arzt oder einer Ärztin verbunden. Die anwesende, geschulte Gesundheitsarbeiterin kann so mit den Patienten die Anweisungen der Ärzte befolgen. Dies sehen wir als eine sehr effiziente Art, momentan schnell zu helfen, denn es gibt zu wenig Ärzte.

Den Hunger stillen

Materielle Hilfe - aber auch geistliche

Die materielle Not besonders in den armen Bevölkerungsteilen bietet aber auch Gelegenheit, Gottes Liebe ganz praktisch zum Ausdruck zu bringen. Besonders unser Partner COI (Cooperative Outreach of India) ist sehr engagiert. Für die Verteilung von Covid-Hilfspaketen an Bedürftige sind wir noch zwei weitere Partnerschaften mit lokalen indischen Organisationen eingegangen. Wir glauben, dass wir dadurch nicht nur praktisch und schnell helfen können, sondern dass dadurch auch gute Beziehungen und Gespräche entstehen und Christen geistlichen Beistand leisten können. Von Pastoren der HFCI (Himalayan Free Church in India) hören wir, wie sich viele Möglichkeiten ergeben, für Menschen zu beten, auch in Krankenhäusern. Auch eine Vertiefung des geistlichen Lebens ist vielerorts spürbar und ein zahlenmässiges Wachstum sichtbar. Gott ist offensichtlich auch in dieser Situation mit dabei und möchte unter den Menschen wirken.

Verteilung von Hilfspaketen

Ganz herzlichen Dank für alle finanzielle Unterstützung. Auch weitere Gaben sind willkommen und werden entsprechend eingesetzt!

Bitte um Gebetsunterstützung

Unser Partner HFCI (Himalayan Free Church in India) benötigt dringend eine neue Bewilligung, um Gelder aus dem Ausland empfangen zu können. Der Antrag ist in Bearbeitung, aber es braucht ein Wunder von Gott, da die indischen Behörden den Empfang von Geldern für religiöse Aktivitäten aus dem Ausland einschränken.
Ein weiteres Anliegen ist der 2. Teil der Bibelschulausbildung von HFCI, der von September bis Dezember geplant ist. Wir beten, dass der Lockdown in dieser Region dann aufgehoben sein wird. Eigentlich möchte ich jedes Jahr die Schule zu dieser Zeit besuchen und auch mit unterrichten. Diesmal ist geplant, dass ein FEG-Pastor aus der Schweiz sowie der Asienverantwortliche von SAM global mitreisen. Dafür brauchen wir die Aufhebung der Einreisesperre, die es seit letztem Herbst verunmöglicht, als ‘Tourist’ nach Indien zu reisen.

Vielen Dank für eure Unterstützung im Gebet, finanziell und für jede weitere Mitarbeit.

Hans S.

SAM global
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