Guinea

Ausgebildete Hauswirtschafterinnen sind gesucht

13.9.2021
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5
Min.

Vor einem halben Jahr haben wir über den Start der Hauswirtschaftsschule hier in Conakry berichtet. Unterdessen haben die ersten fünf Frauen am vergangenen 29. Juni ihr Diplom erhalten und können damit Stellen als Hauswirtschafterinnen oder «Ménagère», wie es hier heisst, antreten.

Erfreulicherweise mussten sich die Frauen gar nicht erst bewerben – sie bekamen Arbeitsstellen angeboten! Wir erleben, dass es ein offensichtliches Überangebot an Arbeitsstellen gibt, die auf unsere ausgebildeten Frauen passen.

Konservieren von Früchten und Gemüse

Früchte sind gesund?!

Während der Ausbildung haben sich die Frauen einiges an Fachwissen angeeignet. So wissen sie nun zum Beispiel, wie Baumwolle angepflanzt, geerntet und verarbeitet wird. Sie können ein Seidenkleid von einem Baumwollkleid unterscheiden und wissen, dass man ein Kleidungsstück aus Seide nicht gleich waschen und bügeln darf wie ein Kleid aus Baumwolle. Mich hat der Wissensdurst dieser jungen Frauen sehr fasziniert. Sie wollten alles wissen und fragten immer nach. Sie realisierten, dass Lebensmittel auch Heilmittel sein können und dass es wichtig ist, die wunderbaren Früchte, die in Guinea wachsen, auch zu essen. Ich konnte ihnen viele Dinge vermitteln, die bei uns selbstverständlich sind und die fast jede westliche Mutter oder jeder Vater ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben. Dies ist in Afrika alles andere als selbstverständlich.

Ein Menü planen – Rezepte lesen will gelernt sein

Freude schenken

Mir ist es bei der Ausbildung auch wichtig, dass die Frauen sich freuen können: Nicht ganz alles ist vielleicht unbedingt notwendig zu wissen, aber sie haben es auch genossen, zum Beispiel einmal ein Frühstücksbuffet vorzubereiten und sich dann grosszügig bedienen zu können. Sie haben entdeckt, dass das Auge «mitisst» und haben mit Begeisterung angefangen zu überlegen, wie man ein Essen schön präsentieren kann. Diese Frauen erleben in ihrem Alltag wenig bis nichts Schönes und Erfreuliches – so ist es mir ein Anliegen, ihnen einfach auch einmal Freude zu schenken.

Schön anrichten – das Auge «isst» mit

Persönlich wachsen und reifen

Während dem Kochmodul haben wir jeweils gemeinsam ein Menü zusammengestellt, über die Nährstoffe gesprochen und die verschiedenen Kocharten gelernt. Das anschliessende Essen haben wir alle jeweils sehr genossen. Und dabei gab es immer wieder Gelegenheiten, Lebensthemen anzuschneiden, was zu interessanten Diskussionen führte. In dieser Klasse waren sechs Ethnien und sowohl Christinnen wie auch Muslimas vertreten. So war das Tischgebet beispielsweise ein grosses Thema, die Esskultur, Benimm-dich-Regeln usw. Die Frauen sind es sich nicht gewohnt, zusammen zu diskutieren, andere Meinungen anzuhören und sich eine eigene Meinung zu bilden. Vorwitzige und laute Frauen lernten, auch einmal zurückzustehen, schüchterne Frauen lernten mit der Zeit, sich einzubringen und ihre Meinung kundzutun.

Gemeinsames Essen mit Gelegenheit zum Gespräch über ganz verschiedene Themen

Grosse Nachfrage nach einem Ausbildungsplatz

Ohne dass wir Werbung gemacht haben, hatten wir Anfang Juni schon wieder genügend Bewerbungen für den nächsten Kurs, der am 7. September starten wird. Mit einer Aufnahmeprüfung haben wir evaluiert und uns entschieden, im nächsten Kurs acht Frauen starten zu lassen. Gerne würden noch mehr Frauen kommen und in den nächsten Kurs einsteigen. Aber unsere personellen und räumlichen Kapazitäten sind beschränkt.

So machen wir uns bereits Gedanken, wie man zwei Kurse parallel laufen lassen könnte. Ein erster Schritt wird sein, dass ich Aminata, eine Absolventin des ersten Kurses, als Assistentin nachziehe und mit ihr zusammen Lektionen durchführe. So könnte sie eines Tages selbstständig eine Klasse übernehmen.

Aminata kann wieder lachen

Aminatas Leben hat sich im letzten halben Jahr sehr verändert. Sie erzählt: «Ich bin ein Waisenkind und musste mit 17 Jahren das Waisenhaus verlassen. Ich habe ein Studium angefangen, jedoch ohne je eine Chance auf eine Anstellung zu haben. Ich wurde depressiv und sah keinen Sinn mehr im Leben. Da hat mich jemand auf die neue Hauswirtschaftsschule aufmerksam gemacht. Ich entdeckte, dass ich in diesem Bereich begabt bin und habe als Klassenbeste abgeschlossen. Nun arbeite ich schon seit vier Monaten bei einer amerikanischen Familie, die mir Arbeit und Heimat bietet und mir von der Liebe Jesus erzählt. Ich kann wieder lachen! Ab September werde ich Mamma Cornelia im nächsten Kurs während zwei Vormittagen in der Woche im Unterricht unterstützen und kann vielleicht später einmal als Lehrerin in der Hauswirtschaftsschule arbeiten. Und an Weihnachten möchte ich gerne mit Mamma Cornelia in die Kirche gehen – ich freue mich schon darauf!»

In einiger Zeit vielleicht selber unterrichten?

Zum Schmunzeln: Eine Spülmaschine? – Dass ich nicht lache!

Das Lehrmittel, das ich im Unterricht brauche, kommt aus der Schweiz. Ich passe es natürlich an afrikanische Gegebenheiten an, aber einmal hatte ich etwas übersehen: Bei der Materialkunde zum Thema «Glas» stand, dass man Kristallgläser nicht in der Spülmaschine abwaschen sollte. Als Erstes hatte ich dann Mühe zu erklären, was ein Kristallglas ist, und zweitens wusste keine der Frauen, was eine Spülmaschine ist! Ich habe es dann erklärt, so gut es eben ging. Da meldeten sich mehrere Schülerinnen und meinten: «Was sind denn das für faule Frauen in Europa. Die brauchen sogar eine Maschine zum Abwaschen!» Sie schüttelten nur verständnislos die Köpfe und ich wusste nicht, ob ich lachen oder mich schämen sollte.

Schweizer Kochbuch mit Anpassungen

TEAMNACHRICHTEN

Gitte und Ousmane D. sind mit ihren beiden Kindern zurzeit in Deutschland im Heimataufenthalt. Sie erwarten im September ihr drittes Kind und werden voraussichtlich im Januar 2022 nach Guinea zurückkehren.

Cornelia & Peter F., Teamleitung

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